Čaplovič-Bibliothek - CHARAKTERISTIK

Das einstöckige Haus wurde in den Jahren 1905-1911 zwecks Erstellung der Čaplovič- Bibliothek gebaut. Im Mai 1911 fing man mit dem Aufstellen der Sammlung in den Neubau an, wobei der Hauptteil der Bibliothek zusammen mit dem Leseraum und dem Bibliothekarsbüro in den Obergeschoss gestellt wurde. Im Erdgeschoss befanden sich die Wohnung des Bibliothekars, der Raum für den Leseverein Dolný Kubín und der Raum mit ausgestellten wertvollen Urkunden, Antiquitäten, Raritäten und ethnografische Gegenstände des Komitats Orava. Die Ausleihe von Büchern begann am 1.1.1914.

 

Das Bibliotheksgebäude wurde in die Liste der Kulturdenkmale eingetragen. Heutzutage befinden sich das Arbeitszimmer und der Aufbewahrungsort im rechten Flügel des Gebäudes, wo wertvolle Sammlungen der Bibliothek nach der Gebäudeanpassung für den Bedarf des Literarischen POH-Museums gelagert wurden. Das Museum wurde 1954 eröffnet. Derzeitig sind zwei Mitarbeiter in der Bibliothek angestellt. Sie setzten die Arbeit ihrer 17 Vorläufer fort, die dort seit 1840 tätig waren.

 

Der Gründer, Vavrinec Čaplovič (5.8. 1778 Jasenová– 25.12. 1853 Bratislava) begann während der Studienzeit in Banská Bystrica Bücher zu sammeln, als er noch 14 Jahre alt war, wovon man in seiner handgeschriebenen Katalog Beweise findet. Bei seiner Sammlungstätigkeit konzentrierte sich er auf die Region Orava, wo er herkam. Seit 1810 war als Privatsekretär und Archivar beim Graf, František Ziči (Franz von Zichy), dem Hauptdirektor vom Landgut Orava, tätig. Nach dem Umzug nach Bratislava, wo er im Dienst bei der Familie Zichy war, wurde es ihm der Zugang zu reichen Quellen des westeuropäischen Buchmarkt ermöglicht (Wien, Linz, Budapest, Veszprém, Prag, Leipzig, Halle, Berlin, Ulm, Potsdam, Augsburg u.a.). Die Bücher kaufte er bei verschiedenen Buchhändlern, Antiquaren, Buchbindern und Buchdruckern (J. Schweiger, J. Landes, Lippert, S. Mandl, Hochschorner, F. Korn, Rath, Hertzl, Mayer). Manche Bücher bekam er von seinen Gönnern und Freunden (J. Gyurikovits, prof. J. Palkovič, M. Hamuljak, prof. Fabry, M. Holko d.J., J. Čaplovič, P. Kubinyi, M. Bencúr, J. Török, J. Kovachich, Ľ. Štúr).

 

Der Höhepunkt der Sammlungstätigkeit Čaplovičs war seine großzügige Tat aus dem Jahr
1839, wann er auf Grund der Schenkungsurkunde aus dem 15.April dem Komitat Orava seine
private Sammlung gespendet hatte. Die Schenkungsurkunde regelte hinsichtlich der aktuellen Verhältnisse auch das weitere Vorgehen der Bibliothek (angemessene Räume, Ausstattung der Bibliothek, Pflichte des Bibliothekars). Auf der feierlichen Komitat-Veranstaltung am 24. Mai
1839 wurde diese Urkunde vorgelesen und die Spende Čaplovičs wurde mit Begeisterung angenommen. Die Bibliothek wurde für das Besitztum des Komitats Orava erklärt, das sich anschließend zu ihrer Aufrechterhaltung und Aufbesserung verpflichtete. Die Sammlung wurde dann in den Jahren 1839-1851 in 14 Sendungen aus Bratislava nach Dolný Kubín transportiert. Sogar nach seiner edelmütigen Tat ergänzte Vavrinec Čaplovič den Bestand der Bibliothek bis zum Ende seines Lebens. Alle Bücher trug er selbst in seine handgeschriebenen Kataloge ein. Aus 14 erhielten sich im Archiv Čaplovičiany nur 13.

 

Der Bücherbestand der Čaplovičs Bibliothek wurde mehrmals von etlichen Bibliothekaren geordnet und katalogisiert. Das aktuelle Aussehen der Bibliothek geht aus der letzten Katalogisierung hervor, die Dr. Ján Smentana in der Zwischenkriegszeit durchführte. Demzufolge wurden alte Drucke in 12 Hauptgruppen (je nach dem Wissenschaftsbereich) und
4 restliche Gruppen aufgeteilt. In den 90. Jahren des 20. Jahrhunderts fing man an, die Neuerwerbungen in die Neuerschaffene Sammlung (Bücher durch Beschaffungstätigkeit erworben) und in die Präsenzbibliothek zu registrieren. Für eine bessere Übersicht geben wir die Bücheranzahl je nach der Gruppe an:

 

Bibliografien, Lexikons 2 233
Theologie 4 860
Philosophie 2 528
Geschichte und Geografie 12 062
Sozialwissenschaft 1 298
Rechtswissenschaft 1 601
Philologie 2 689
Belletristik 3 603
Mathematik 2 289
Naturwissenschaften 11 911
Kunst 1 665
Revue und Varia 38 145
R (Rara) 594

C (Zimelien – Manuskripte) 302

P 817

K 1 465

NS (Neuerschaffene Sammlung) 3 856

Präsenzbibliothek 977

Insgesamt 92 895 bibliografische Einheiten (zum 31. 12. 2014)

 

In der wertvollen Sammlung der Čaplovič-Bibliothek befinden sich slowakische und europäische Werke und auch die Weltliteratur ist vertreten. Die Sammlung verfügt über 25
Inkunabeln – Erstdrucke (d.h. alte Drucke bis 1500). Und gerade diese 25 Erstdrucke wurden aus der Initiative der Slowakischen Nationalbibliothek in Martin vom Slowakischen
Kulturministerium (Abteilung für Kulturerbe) für historische Büchersammlung von großer Bedeutung erklärt. Es befindet sich dort auch 1408 bibliografische Einheiten aus dem 16. Jahrhundert, die im Druckkatalog verzeichnet wurden.

 

Ergebnisse der fachlichen Verarbeitung einiger Sammlungsteile – kurze Vorstellung:

In den Jahren 1992 – 1994 wurden 1293 Werke der bildenden Kunst aus der Sammlung der ČB fachlich verarbeitet. Nach drei Jahren mühsamer Arbeit wurde sowohl dem Fach-, als auch dem Laienpublikum besonders wertvolle originale Sammlung aus dem 17. – 19. Jahrhundert zugänglich gemacht, die aus mannigfaltigen Entwürfen der Theaterdekorationen, Porträts, Veduten, originalgetreuen Reproduktionen von Gemälden und Statuen, architektonischen und botanischen Illustrationen und Zeichnungen von allerlei Autoren besteht.

Ein sehr interessantes Teil der vielfältigen Sammlung besteht auch aus alten Landkarten aus dem 17. – 19. Jahrhundert. Es befinden sich dort nämlich die Landkarten, in denen nicht nur das Gebiet Oravas, der Slowakei und des ehemaligen Ungarns, sondern auch andere Länder Europas und der Welt gezeichnet wurden. In den Jahren 1994 – 1997 wurden 1607
Landkarten verarbeitet. Von jener Anzahl betreffen 144 Landkarten das Gebiet der gegenwärtigen Slowakei und ihrer Teile (Landkarten der Komitate, Einzugsgebiete, Dörfer u. Ä.) In den Jahren 2000 – 2007 kam die weitere fachliche Verarbeitung voran; und zwar von den Sammlungen alter Atlanten aus dem 16. – 20. Jahrhundert. Es gelang, 164 Bände verschiedener Atlasauflagen zu „erbeuten“, die von mehreren namhaften Autoren und Herausgebern wie Ptolemäus, Ortelius, Homann, Mercator, Blaeu u. a. verfasst wurden und die insgesamt 7.644 Landkarten enthielten.

 

Die Manuskriptsammlung wurde dank der fachlichen Verarbeitung in den Jahren 1996 – 2000 zur Beachtung gebracht. Die ganze Manuskriptsammlung stammt aus dem Zeitraum zwischen dem und 14. und 19. Jahrhundert. Die sechs ältesten Manuskripte wurden schon vorher verarbeitet (Sopko, Stredoveké latinské kódexy v slovenských knižniciach /Mittelalterliche lateinische Kodizes in den slowakischen Bibliotheken/, 1981, S. 153 – 158). In der Čaplovičs Bibliothek gibt es 284 vollständige Manuskripte und 18 unvollständige Anhänge. Hinsichtlich der Sprache dominiert Lateinisch. Die Kombinationen mit anderen Sprachen, wie z.B. Slowakisch, Ungarisch, Deutsch und Griechisch, kommen auch häufig vor. Unter anderem findet man hier auch hebräische, tschechische, polnische, italienische, spanische, französische und englische Texte. Die Manuskripte enthalten Auszüge, Korrespondenz, Anmerkungen und Ausschnitte aus verschiedenen Zeitschriften und Büchern, aber man findet auch originale literarische Werke. Aus der Initiative der Nationalbibliothek in Martin erklärte Slowakisches Kulturministerium (Abteilung für Kulturerbe) am 1.12.2008 die 302 Manuskripte für die Sammlungen der historischen Bedeutung.

 

Im Archiv der Čaplovič-Bibliothek arbeitet man seit 2001 an der Transkription der bibliographischen Angaben, Tagebucheinträgen und an der Übersetzung einiger Tagebuchteile der handgeschriebenen Kataloge von Vavrinec Čaplovič aus Lateinischem. Von den ursprünglichen 14 Katalogen erhielten sich 13. Man betrieb erfolgreich die Forschung der auf Deutsch geschriebenen Texte und die Forschung der Publikationen aus dem 18. und 19. Jahrhundert, die die Slowakei oder Slowaken betreffen. Die Forschung der
ethnografischen Werke aus dem 16. – 19. Jahrhundert kommt auch voran und neulich fing man an, die auf tschechische und polnische Sprachen und Landgebiete bezogenen Werke zu analysieren. Jedes Jahr veranstaltet man thematische Ausstellungen für Schulen und das Laienpublikum, Unterrichtstunden und Vorträge über interessante, in der umfangreichen Sammlung der Bibliothek vertretene Persönlichkeiten. Zum Kompetenzbereich der Bibliothekare gehören auch bibliotheks- und informationswissenschaftliche Dienstleistungen für Forscher, sowie auch andere Tätigkeiten, die mit Bewahrung, Ergänzung, Aufrechterhaltung und Verarbeitung der Sammlungen zusammenhängen.

 

Die historische Sammlung der Čaplovič-Bibliothek steht auch heutzutage zur Verfügung. Jeder wird dazu eingeladen, ihr vielfältiges Reichtum und ihre zeitlose Botschaft zu entdecken. Ihr seid alle in der Čaplovič-Bibliothek herzlich willkommen.