Historie der Forsteisenbahn Orava

Orava ist ein Berggebiet, dessen größte Naturreichtum sowohl in der Vergangenheit, als auch heute aus Wäldern besteht. Die Holzförderung gehörte zu den profitabelsten Einkommensquellen. Die komerzielle Holzförderung und der Transport bis zum Absatzmarkt war schon im Mittelalter von großer Bedeutung. Das Kompossesorat Orava, das als Nachfolgeinstitution der historischen feudalen Herrschaft in Orava entstanden war, arbeitete sich Ende 19. Jahrhundert zu einem modernen Unternehmen im Bereich der Waldwirtschaft hoch. Im Rahmen der Modernisierung der ganzen Waldwirtschaft war es nötig, eine gewaltige technische Herausforderung zu bewältigen – Der Transport von gefördertem Holz im unzugänglichen Bergterrain zu den Kunden. Zugtiere und Floßbeförderung wurden zwar immer noch benutzt, aber verfügten nicht über die erforderliche Kapazität und waren stark wetterabhängig. Anfang 20. Jahrhundert entschloss sich die Leitung des Kompossesorats Orava dazu, sich mit diesem Problem zu beschäftigen und anschließend eine Waldeisenbahn mit der Gleisspur von 760 mm zu bauen, um das gegliederte Terrain zu bezwingen. Waldeisenbahnen stellten in jener Zeit eine moderne, aber schon bewährte Technologie dar, die sich in Waldregionen in ganz Mitteleuropa durchgesetzt hatte. Das Projekt einer neuen Waldeisenbahn wurde in der Zeit des Ersten Weltkriegs entworfen
und erhielt am 3. und 4.7.1918 die Baugenehmigung. Die neue Eisanbahn führte von Oravská Lesná durch Zákamenné bis Lokca. Sie ermöglichte die Holzausfuhr aus der Waldverwaltung des Kompossesorats Orava mit Zentren in Mútne und Zákamenné, aber sie
hatte keine direkte Verbindung zum öffentlichen Eisenbahnnetz. Zur Lösung dieses Promlems wurden im Jahre 1921 drei Projekte ausgearbeitet. Am güngstigsten scheinte die Idee zu sein, die Waldeisenbahn in Orava mit der ähnlichen Eisenbahn in Kysuce zu verbinden. Diese Lösung wurde 1924 gebilligt. Die Waldeisenbahn on Kysuce wurde am 15.10.1918 in Betrieb gesetzt und im Gegensatz zu jener in Orava hatte sie dank dem Gleisanschluss in Oščadnica eine direkte Verbindung mit der strategisch wertvollen Kaschau-Oderberger Bahn. Beide Bahnen waren 8 km voneinander entfernt. Das Projekt der Verbindungsbahn bot die Firma Dipl. Ing. E. a L. Gál aus Ružomberok an. Es beinhaltete eine ausgezeichnete und erfinderische Lösung für die Bewältigung des großen Höhenunterschieds auf dem Berg Beskyd. Die gewählte Variante bestand aus 5 Totpunkten, wobei die Totpunkte Chmura und Beskyd
als Haltestellen funktionierten. Die Verbindungsbahn wurde am 1.12.1926 fertiggestellt. Am 15.02.1928 wurde vom Eisenbahnministerium der Tschechoslowakei die Inbetriebnahmegenehmigung erteilt. Durch die Verbindung der Waldeisenbahnen in Orava und in Kysuce entstand ein integriertes Verkehrssystem auf der 60 km langen Strecke Osčadnica-Lokca. Der komerzielle Verkehr kam auf Touren und in dieser Zeit entstanden und vergangen je nach Bedarf viele Bahnableitungen, die Holzförderung und
Waldverwaltung effektiver machten. Die Waldeisenbahn Kysuce-Orava wurde während der Ersten Republik und des autoritären Slowakischen Staat benutzt. Die Ereignisse des Zweiten Weltkriegs betraf sie auch, weil sie im Winter 1945 von Partisanen beschädigt wurde, damit sie die Besatzungstruppen des faschistischen Deutschlands nicht in Anspruch nehmen konnten.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Kompossesorat Orava als Großgrundbesitz aufgelöst und sein Eingentum wurde zwischen Gemeinden und den Staat verteilt.
Zum neuen Besitzer der Waldeisenbahn wurde der Staat. In der Nachkriegszeit kam es zur Restrukturalisierung der ehemaligen Waldverwaltung des Kompossesorats Orava. Die Kompetenzen der Waldarbeiten wurden der Kreisforstverwaltung Žilina zugewiesen, dem auch der Forstbetrieb Zákamenné untergeordnet war. Dieser Forstbetrieb benutzte zum Holztransport die Waldeisenbahn in Orava. Gerade in den 50. Jahren des 20. Jahrhunderts erreichte das Volumen des komerziellen Betriebs seinen Höhepunkt. Die Waldeisenbahn Kysuce-Orava geriet in der zweiten Hälfte der 60. Jahre des 20. Jahrhunderts in eine Krise. Unter neuen Bedingungen verloren die Waldeisenbahnen ihren strategischen Vorteil: im Gegensatz zur Lastkraftwagenverkehr waren sie unflexibel und ihr
Betrieb war ziemlich kostspielig. Die Strecke und der Fahrzeugpark wurden durch den ständigen Gebrauch im schwierigen
Terrain insofern abgenutzt, dass die Bahnwerkstatt Vrútky, die mit deren Wartung und Reparatur beauftragt worden waren, lehnten ab, den veralteten Fahrzeugpark instand zu halten. Die Instandhaltung litten unter einem langzeitigen Mangel an Ersatzteilen, die seit
Jahrzehnten nicht mehr hergestellt worden waren. Die Geschäftsführung der Forstverwaltung Žilina beantragte am 28.6.1967 aus diesen Gründen die Betriebsstilllegung der Waldeisenbahn.

Das Verkehrsreferat des Kreisnationalausschusses bewilligte den Betriebsstilllegungsantrag. Infolge des Beschlusses wurde die Waldeisenbahn zum 1.1.1969 geschlossen. Die Bezirksnationalausschüsse in Dolný Kubín und Čadca teilten den ganzen Eisenbahnabbau in drei Etappen (1969-1971). In der ersten Etappe wurde die Bahn auf den Strecken Breza – Mútne – Furandová und
Breza – Zákamenné demontiert. In der zweiten Etappe wurde die Abbauarbeiten auf der Strecke Zákamenné – Podrusnáčka fortgesetzt. In der dritten Etappe wurde der Abbau der Waldeisenbahn vollendet, und zwar auf den Strecken: Oščadnica – Chmúra, Beskyd – Chmúra, Zákamenné – Ústrig, Ústrig – Gontkula, Gontkula – Beskyd und im Holzbetrieb in
Krásno nad Kysucou.
Da die Bahn stückweise abgebaut wurde, kam es erst am 31.12.1971 zur offiziellen Betriebseinstellung. Die Strecke Chmúra – Beskyd der Waldeisenbahn Kysuce-Orava wurde 1972 als ein Kulturdenkmal offiziell bezeichnet, was im letzten Augenblick die Vernichtung
dieses bemerkenswerten Bauwerks vermied. Leider wurde nur ein geringer Bruchteil der ursprünglichen Bahn erhalten. Von der mehr als 110 km langen Strecke blieben nur 8 km. Es ging tatsächlich um die Verbindungsbahn, die 1926 zwecks der Verbindung zwischen der
Waldeisenbahn in Orava und der Waldeisenbahn in Kysuce gebaut worden war. Aus der Waldeisenbahn in Orava blieb nur die Strecke Sedlo Beskyd (Bergsattel Beskyd) – Haltestelle Tanečník. Sie wurde herrenlos und keine Wartung wurde durchgeführt. Um eine
provisorische Sanierung des verkommenen Denkmals bemühten sich am meisten Freiwillige.
Darum übernahm das Museum Orava die Verwaltung der erhaltenen Strecke und es entwarf in den Jahren 1986 und 1988 einen Plan, der die Denkmalerneuerung und die Regelung der eigentumsrechtlichen Verhältnisse der Strecke und der Gebäuden im Areal der Haltestelle Tanečník umfasste.
In der Zusammenarbeit mit den Freiwilligen wurde ein Projekt Baum des Lebens veranlasst. In den Jahre 1989 – 1993 setzte sich man viel für die Rettung des Denkmals ein. Im August 1992 wurde das Abkommen über die Generalsanierung der ganzen erhaltenen
Strecke der Waldeisenbahn zwischen dem P.O.Hviezdoslav-Museum in Dolný Kubín und dem Kysuce-Museum in Čadca geschlossen. Die Generalsanierung fing 1993 in Kysuce und 1996 in Orava an. Im Rahmen der Sanierungsarbeiten reparierte die Eisenbahnabteilung der Slowakischen Streitkräfte die Haltestelle Beskyd und die Brücke in der Nähe von Tanečník. Die vielversprechende Zusammenarbeit wurde von wütenden Naturgewalten abgebrochen. 1997 wurde die Strecke in Kysuce von Überschwemmungen und Bergstürzen schwer betroffen. Die bestehenden finanziellen Mittel wurden für den Wiederaufbau der beschädigter Teilstrecke umgeleitet, und die geplante Sanierung wurde somit auf unbestimmte Zeit verschoben. Seit 2003 begann das P.O.Hviezdoslav-Museum in Orava systematische Arbeiten am Wiederauffbau der Waldeisenbahn.
Das Museum Orava erarbeitete im Jahr 2004 zwecks des Wiederaufbaus der Waldeisenbahn das Projekt „Ausnutzung des touristichen Potenzials der Region – Obere- Orava durch die Wiederinstandsetzung der Schmalspurwaldeisenbahn Orava – Kysuce, die
die Regionen Orava und Oberes Waag-Gebiet verbindet“ (Projektautoren: PaedDr. M. Jagnešáková, PhDr. E. Kulášová, Bc.M.Rusnáková). Dafür erhielt das Museum vom EURegionalfonds und Staatshaushalt eine finanzielle Hilfe in Höhe von 22 016 047,20 Sk. Das Museum Orava finanzierte es von seinen eigenen Mitteln (8,04 Mio. Sk) und der Žilinaer Landkreis leistete einen Betrag von 9,2 Mio. Sk. Die Verwirklichung dieses Projekts bedurfte sachkundiger Firmen mit Erfahrungen in der Eisenbahn- und Gebäudesanierung. Daher wurden Freiwillige und Eisenbahnliebhaber nicht mehr nötig. Die Projektunterlagen zur Eisenbahnsanierung erarbeitete die Firma Reming Concult a.s. Bratislava und die Projektunterlagen zur Gebäudesanierung die Firma INKOPP s.r.o. Žilina.
Anhand dieser technischen Unterlagen wurden folgende Genehmigungen erteilt: Nr.2963/4 am 18.08.2004 vom Staatsbahnamt in Bratislava zur Eisenbahnsaniereung; Nr. 04/0266 am 24.08.2004 vom Bauamt im Gemeinde Zákamenné zur Gebäudesanierung; Nr.
2004/00492am 24.08.2004 vom Bezirksumweltamt in Dolný Kubín zur Errichtung einer Abwasserkläranlage.
In der öffentlichen Beschaffung wurde der Firma KOTEZA s.r.o. Vrútky der Auftrag gegeben. Das Projekt startete im November 2005 und wurde im Oktober 2007 vollendet. Wir waren laut Vertrag verpflichtet, das Projekt innerhalb von zwei Jahren zu verwirklichen. Die ganze Bahnstrecke wurde abgebaut, der Eisenbahnunter- und Oberbau wurden neu errichtet und die Durchlässe und Gerinne zum Niederschlagsabfluss wurden gereinigt und wiederinstandgesetzt. Das ganze Betriebsgelände wurde rekonstruiert; wir erstellten die
Dauerausstellung über die Waldeisenbahn und das Kompossesorat in Orava (Autor PhDr.M. Chmelík), eine Kasse, eine Verkaufsstelle für Souvenirs, hygienische Einrichtungen; wir bauten den ungenutzten Dachraum zu einem Aufbewahrungsort für Sammlungsstücke des
Museums um. Die Geschäftsgelände wurde saniert und an ihrer Stelle wurde ein Holzbau errichtet, der harmonisch in die Umgebung eingefügt ist. Auf dem Geschäftsgelände befindet sich neben dem Mitarbeiterraum auch öffentliche Toilette für Besucher. Das ganze Areal der Haltestelle Tanečník, das Außentreppenhaus und die Einfassungswand wurden rekonstruiert, aüßere Wärme- und
Wasserverteilungssysteme, Abwasserentsorgungssysteme und -kläranlagen wurden gebaut, in Zugangsweg und Fußwege wurden gepflastert und der Rest der Gelände wurde eingegrünt und aufgeforstet. Im technischen Projekt rechnete man jedoch nicht mit dem Bau der neuen Durchlässe, da in der Zeit der Projektausarbeitung die Durchlässe nur mit Unkraut bewachsen gewesen war und der Projektant nur ihre Reinigung und anschließende Wiederinstandsetzung entworfen hatte. Erst während der Projektverwirklichung fand man heraus, dass manche von denen ein Leck hatten oder anders beschädigt waren. Hinsichtlich der hydrometeorologischen Verhältnisse in der Region war der Bau neuer Durchlässe unvermeidbar. Darüber hinaus verfügte das Areal der Haltestelle Tanečník über keine Wasserversorgung. Deswegen musste man Wasser aus Quellen durch Wasserleitung in die einzelnen Objekte hinbringen. Auf der rekonstruierten Teilstrecke befindet sich eine isenbahnbrücke aus Holz, die in der Zeit der Projektausarbeitung vom Statiker als
funktionsfähig bezeichnet worden war. Im Jahr 2007 brach infolge der Unterspülung der Stützen der Hauptlängsträger. Deswegen mussten die Haupttragelemente ersetzt werden. Im Areal der Haltestelle Tanečník wurde auch der Fuhrpark renoviert – man kaufte zwei Diesel-Lokomotiven, eine Motordraisine und zwei Bahnwaggone ohne Dach wurden repariert. Auf dem Bergsattel Beskyd errichteten wir ein Aussichtsturm und das Areal der Eisenbahn ergänzten wir um einen touristischen Lehrpfad mit dem gleichen Namen -
Tanečník. Während der Endphase arbeiteten wir die Betriebsordnung, den Fahrplan und andere rechtliche Unterlagen aus. Aufgrund dessen wurden am 05.11.2007 die Genehmigung für den Sonderbahnbetrieb „Die Waldeisenbahn in Orava auf der Strecke Tanečník – Bergsattel Beskyd“ und am 07.01.2008 die Lizenz für Betriebsausführung unter Registrationsnummer
02/2007 von der Bahnaufsichtsbehörde in Bratislava erteilt.
Am 31.05.2008 machte das P.O.Hviezdoslav-Museum in Orava feierlich im Beisein von wichtigen Persönlichkeiten die nach 36 Jahren rekonstruierte Waldeisenbahn der Öffentlichkeit zugänglich. Wir freuen uns auf jeden Einzelnen von euch, der diese wunderschöne Ecke der Slowakei besucht. Ihr könnt die herrliche Natur in der Region Orava bestaunen und hier eine angenehme Zeit verbringen.